Gerade im Winter fällt die Mistel vielerorts ins Auge. Alte Obstbäume wirken als wären sie immergrün, da die Krone bei starkem Befall fast gänzlich mit Misteln durchsetzt ist. In den letzten Jahren breitete sich die Mistel stark in den Obstwiesen unserer Region aus. Diese Tatsache ist auf die zu geringe Pflege von alten Obstbäumen zurückzuführen.

Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um diese Pflanze. Schutz gegen das Böse, Heilmittel in der Medizin oder als Symbol des Friedens. Die Erzählungen und Überlieferungen über die Mistel sind vielfältig und sehr interessant zu betrachten. So groß Ihr Nutzen für viele Menschen und Tiere auch ist, so gefährlich ist sie für das Kulturgut „Streuobstwiese“ und die damit verbundenen ökologischen Faktoren. Durch die regelmäßigen Schnitte an Obstgehölzen, wie sie früher üblich waren, wurde die Ausbreitung der Mistel automatisch verringert.

Das Ausbleiben dieser Obstbaumschnitte, sowie die klimatischen Veränderungen in den letzten Jahren bilden die Grundlage für die nun vorhandene Problematik des Mistelbefalls. Milde Winter verleiten Zugvögel dazu, länger in unserer Region zu verweilen. Durch sie wird die Mistel von Baum zu Baum übertragen und somit eine zeitlich längere Verbreitungsphase generiert. Zudem begünstigen mildere Temperaturen die Anwachsrate der Mistel auf ihrem Wirtsbaum.

Der Mythos, die Mistel stehe unter Artenschutz und dürfe nicht entfernt werden, sollte hiermit endgültig aus der Welt geschafft werden. Die Laubholzmistel (Viscum album L. subsp. album), eine Unterart der Weißbeerigen Mistel, steht nicht unter Artenschutz und ist nicht auf den Apfelbaum als Wirt angewiesen. Ein weites Spektrum an Wirtspflanzen sichert somit den Fortbestand der Mistel, die für viele Vogelarten wie zum Beispiel die Misteldrossel (Turdus viscivorus) essenziell ist, auch wenn wir sie aus den Streuobstwiesen entfernen. Weiterhin werden auch Birken, Pappeln oder Weiden von der Mistel befallen und erhöhen somit den Befallsdruck ohnehin.

Die Mistel gilt als Halbschmarotzer. Sie dringt in den Ast ein und entzieht dem Wirtsbaum, durch ein sogenanntes Haustorium, photosynthetisch hergestellte Assimilate sowie Wasser und schwächt den Baum bis hin zum Absterben des Wirtes. Durch die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Mistel im Rindengewebe (Kambium) des Baumes können sich mehrere Sekundärsprosse aus der Primärpflanze entwickeln.  Dies bedeutet, dass ein Teil der Mistel im Ast wächst und somit für uns nicht sichtbar ist.

Wird der Ast, an dem die Misteln sichtbar sind, nun abgeschnitten, ist unbedingt auf die Sekundärwurzeln der Mistel im Rindengewebe des Wirtsbaumes zu achten. Werden nicht alle Teile der Mistel entfernt, treibt diese wieder aus und reagiert mit einem mitunter noch stärkeren Austrieb am Baum. Achten Sie hierbei darauf, dass sie den Ast so weit zurückschneiden, dass keine Sekundärwurzeln (grüne Punkte im Schnittbild) mehr im Ast verbleiben.

Jeder Baum, der von Misteln befallen ist, sollte geschnitten werden, um eine Weiterverbreitung der Mistel zu unterbinden. Nur wenn jeder Obstbaumbesitzer diese Tatsache ernst nimmt, kann die Verbreitung im Streuobstbau eingedämmt werden. Schneiden Sie nicht wahllos drauf los, sondern versuchen Sie das Entfernen der Mistel mit einem sinnvollen Pflegeschnitt zu kombinieren. Leiten Sie Äste ab und achten Sie auf Sekundärwurzeln der Mistel in den Schnittflächen unter der Rinde. Im besten Fall verbleiben keine Teile der Mistel im Baum. Sollte dies nicht möglich sein, so müssen in den folgenden Jahren immer wieder neue Jungpflanzen entfernt werden. Hierbei kann auch mit Kerbschnitten gearbeitet werden.

Auch sehr alte Bäume mit Mistelbefall sollten geschnitten werden. Auch wenn die Bäume nicht mehr in Gänze von den Misteln befreit werden können, verringert diese Maßnahme den Befallsdruck im Bestand und beugt somit dem Befall von jüngeren Obstbäumen vor. In den kommenden Monaten bieten viele Obst- und Gartenbauvereine Schnittkurse für Obstgehölze an. Hier wird gezeigt, wie Streuobstbäume gepflegt und von Misteln befreit werden können. Eine Liste dieser Schnittkurse, sowie Bücher über den Obstbaumschnitt, finden Sie auf unserer Internetseite www.gartenbauvereine.de unter der Rubrik Obstwiesen. Diese Liste wird auch auf unserer Facebookseite (Verband der Gartenbauvereine SAL/RLP e.V.) aktualisiert.

Der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz bietet Ihnen zahlreiche Schulungsangebote im Bereich Obst- und Gartenbau. Informationen zu Kursen und Lehrgängen können Sie unter 06887 / 9032999 oder per E-Mail an sal-rlp@gartenbauvereine.de erfragen.

Haben Sie eine Obstwiese, die Sie nicht mehr bewirtschaften können oder sind Sie an dem Thema interessiert und wollen selbst Ihr eigenes Obst anbauen? Dann besuchen Sie die Streuobstbörse des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz e.V. unter www.gartenbauvereine.de oder informieren Sie sich unter 06887 / 9032999.

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